Reisen

Faszination Israel – Teil 1

Irgendwie löst der Gedanke an Israel in mir jedes Mal ein ganz warmes Gefühl aus. Israel nicht als politischer Ort, sondern als Ort einer bestimmten gelebten Freiheit, die mich sehr beeindruckt hat, als ich dort war. Vielleicht liegt es gerade an der Politik, an den vielen Konflikten, an der Lage, an der ständigen Furcht vor Kriegen, dass die Menschen sich die Freiheit in ihren Köpfen schaffen müssen. Dieser Artikel soll hierbei keinesfalls eine Beschreibung des ganzen Landes und seiner schwierigen Geschichte sein, sondern lediglich meine Beobachtung dessen, was abseits der Konflikte geschaffen wurde und wie sich die Einwohner, mit denen ich zu tun hatte, gegen die Enge in den Köpfen zur Wehr setzen.

Ich war nur zwei Wochen dort, nicht lange eigentlich, wenn man ein fremdes Land bereist, aber lange genug, um mich zu verlieben. In Landschaft, Menschen, Kultur, die Sonne, das Meer. Kamele neben modernsten Autos, streng Gläubige neben einer absolut abgefahrenen Partyszene, Konflikt neben Normalität. Wie bei meinem Artikel über Indien werde ich meine Eindrücke grob anhand meiner Reiseroute schildern und schaffe es so hoffentlich, meine Faszination für Israel zu teilen und zu einer Reise in dieses abwechslungsreiche, reizvolle, manchmal gefährliche, politisch schwierige, aber trotzdem absolut fesselnde Land zu vermitteln.

Gestartet sind wir in Be´er Scheva im Süden an der Grenze der Wüste. Von dort aus ging die Reise an das Tote Meer, nach Jerusalem, über ein Kibbuz an der Grenze des Gazastreifens nach Tel Aviv, hoch nach Haifa in den Norden, in das arabische Akko und zuletzt noch nach Rosch Hanikra.

In Be´er Scheva habe ich eine Freundin in einem Kfar (Dorf) besucht, in dem sie zu dem Zeitpunkt gearbeitet hat. Im Kfar Rafael leben Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung zusammen und gestalten sich auf Grundlage der Anthroposophie ein gemeinsames Leben. Mitten in der eigentlich trockenen Gegend, haben sie hier eine grüne, fruchtbare Oase geschaffen, in der sie allerlei anbauen und sich so teilweise selbst versorgen.

Totes Meer

Vom Kfar aus sind wir gemeinsam zum Toten Meer gestartet. Das Erlebnis, in diesem Meer zu baden, erfüllte jede Vorstellung. Selten so viel gelacht, während des Schwimmens im Meer.

Entspannung pur. Foto: Toa Heftiba Şinca (pexels.com).

Zwar habe ich kein Buch im Wasser gelesen, aber es wäre tatsächlich möglich gewesen. Ich hatte nicht erwartet, dass der Salzgehalt wirklich so hoch ist, dass man sich genau so treiben lassen kann, wie es auf Bildern wie dem obigen dargestellt wird. Und was ich auch nicht wusste, ist, dass sich aufgrund der hohen Dichte des Wassers auch das Schwimmen schwer gestaltet. Dieses Unwissen führte dazu, dass ich die Sonne, den Augenblick, das wunderbar türkise Wasser, die Nähe zu zwei Ländern (Israel und Jordanien) genoss, bis ich irgendwann beschloss, aus dem Wasser gehen zu wollen. Da war Schluss mit Entspannung. Denn als ich mich umsah, war ich endlos weit rausgetrieben. Kein Problem, kann einem schon mal passieren…sollte es jedoch nicht unbedingt im Toten Meer. Denn je mehr ich mich anstrengte, zurück zum Ufer zu kommen, desto mehr blieb ich an Ort und Stelle. Da war kein Vorankommen in Sicht! Geschafft habe ich es schließlich unter einer gewissen Panik doch, aber es ist wohl empfehlenswert, in der Nähe des Ufers zu bleiben – das verspricht vermutlich ein entspannteres Badeerlebnis 😀

Jerusalem

In Jerusalem hatten wir das Glück, in der Wohnung von Bekannten unterkommen zu können – aus dem Grund kann ich gar nicht so viel über die Hostelsituation sagen, es gibt jedoch ein großes Angebot an (billigen) Unterkünften, auffindbar bspw. auf hostelworld.com oder auf tripadvisor.de.

Der Glanz der heiligen Stadt. Foto: Foto von Haley Black (pexels.com)

Neben den eigentlichen touristischen Attraktionen (Tempelberg, Klagemauer, Grabeskirche, jerusalemer Märkte) sind die Dächer des jüdischen Viertels absolut empfehlenswert. Findet man eine Treppe oder Leiter, die dort hinaufführt, wird man mit einer einzigartigen Stimmung belohnt. Beschreiben kann man die dortige Atmosphäre wohl kaum zur Genüge – aber erleben schon…also nehmt die Dächer mit, wenn ihr dort seid!

Kfar Aza

Kfar Aza war eine Erfahrung für sich. Da wir dort einen Freund kannten, konnten wir in seinem Zuhause unterkommen. An diesem Tag habe ich zweimal den immerwährend schwelenden Konflikt miterlebt. Zum einen als wir gemeinsam zum nur fünf Kilometer entfernten Gazastreifen fuhren und uns der riesigen Mauer bewusst wurden, die die Menschen dort einsperrt. Das war wohl der Augenblick, als ich erstmals wirklich darauf aufmerksam wurde, wie unterschiedlich die Definition von Freiheit sein kann. Je nachdem, wo man geboren wird, wo man aufwächst, kann Freiheit so viele verschiedene Aspekte umfassen. Gedanklich, physisch – wann bin ich frei und wer ist für meine Freiheit verantwortlich? Mir als in Deutschland geborener Mensch erscheinen viele Umstände als so selbstverständlich, dass ich sie gar nicht hinterfrage. Bis ich mich plötzlich damit konfrontiert sehe, dass es eben nicht selbstverständlich ist. Dass manche Menschen eingesperrt, verfolgt, ohne Menschenrechte, ohne Identität, ohne Familie, aber mit Grenzen, mit Mauern, mit Kriegen, mit Hunger, mit Armut leben müssen. Was bedeutet dann Freiheit? Bedeutet es immer noch hingehen zu können, wann immer ich will, wohin immer ich will, zu sagen, was ich will, in einer funktionierenden Demokratie zu leben, meine Wünsche und Träume verwirklichen zu können? Bedeutet Freiheit somit etwas Unerreichbares? Oder verschiebt sich die Freiheit und es ist plötzlich eine ausgewogene Mahlzeit, ein Vogel, der seine Flügel schwingt und sich in die Lüfte erhebt, ist es ein Tag des Friedens, an dem keine Bomben fliegen, keine*r stirbt? Ich kann diese Fragen nicht beantworten, aber ich wurde darauf aufmerksam, dass es in der Wirklichkeit Verschiebungen gibt. Verschiebungen, die wichtig zu realisieren sind.

Grenzen und Mauern. Foto: Arnie Chou (pexels.com)

Die zweite Situation schließlich geschah am Abend des gleichen Tages. Wir saßen gemeinsam mit dem Freund auf seiner Dachterasse und genossen unser Beisammensein, als plötzlich am Himmel über Gaza bunte Lichter auftauchten. Aus unserer Perspektive sah das schön aus, beinahe ein wenig wie an Silvester in Deutschland. Im ersten Moment begriff ich gar nicht, was gerade geschah, bis der Freund uns nach einem lauten Knall hektisch mitteilte, dass wir sofort runter in den Bunker müssten. Dort angekommen, erklärte er uns, dass gerade israelische Panzer Gaza beschossen hatten und es sein könne, dass Gaza mit einem Gegenangriff antwortete. Für ihn nichts Ungewohntes, für mich etwas absolut Überforderndes. In diesen Zuständen leben die Menschen sowohl im Gazastreifen, als auch in Israel tagtäglich. Auf der einen Seite sind die Israelis und (die in Israel und im Westjordanland lebenden) Palästinenser*innen modern, weltoffen, herzlich, tolerant, auf der anderen Seite leben auch sie in immerwährender Angst und die Flucht in den Bunker gehört auch zu ihrem Leben dazu.

Busfahren

Praktischtes Transportmittel in Israel. Foto: Jen (pexels.com)

Bei den Reisemitteln in Israel ist Folgendes zu beachten: Das Bussystem ist super ausgebaut und recht billig, wir sind alle Strecken mit dem Bus gefahren, allerdings darf man beim Einsteigen nicht verhalten sein, sondern muss sich ordentlich durchboxen. Das funktioniert da irgendwie so. Wer zuletzt kommt, verpasst schlechtestenfalls alles und muss den nächsten Bus nehmen. Während der Busfahrten entstehen in der Regel spannende Gespräche, in Israel ist es völlig normal, in öffentlichen Verkehrsmitteln neue Menschen kennenzulernen und sich mit Fremden zu unterhalten. Mit etwas Glück beschert einem das die ein oder andere Insiderquelle oder auch mal einen Schlafplatz. Buchbar sind die Fahrten beispielsweise auf der Internetseite des größten israelischen Transportunternehmens egged.co.il. Eine Fahrt von Jerusalem nach Tel Aviv kostet hier nur 4 € (16 Schekel).

So viel erstmal bis hierhin. In einem zweiten Bericht folgt der Rest der Reise durch Israel.

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