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JETZT!

Der heutige Tag hat mir eine für mich bahnbrechende Erkenntnis gebracht: Der Zugang zu meiner Zufriedenheit, meiner Ausgeglichenheit, meiner Gelassenheit, zu mir – all das und so vieles mehr…liegt in der Gegenwart.

Um das zu erläutern, muss ich erstmal etwas ausholen. In den letzten Tagen und Wochen habe ich mich mit einer Situation konfrontiert gesehen, die mir einiges an Geduld und Entspanntheit abverlangt hat. Eigentlich wäre ich am liebsten ausgebrochen und hätte mich aus der Situation befreit. Alles weggeschmissen – denn so wäre ich das widerliche Gefühl, das die Situation in mir zutage gefördert hat, losgeworden und hätte mich erfolgreich wieder in meiner Komfortzone befunden. Kuschelig, vertraut und gefahrlos. Das Problem war nur: Ich hatte mich schon diverse Male zuvor in exakt derselben Situation befunden und mir selbst geschworen, mich mit dieser zu konfrontieren und sie auszuhalten, wenn sie wieder eintreten würde..denn nur so würde ich auch was draus lernen und die Reproduktion des immer Selbigen brechen können – dessen war ich mir sicher.

Vergangenheit

Gut. Da war ich also. Ganz alleine mit meinen Gedanken und dem Gefühl der Enge in der Brust. All meine Ängste griffen mich an und zeigten mir die vermeintliche Realität. Ängste aus der Vergangenheit. Ängste, die mir erzählten, was das Ende dieser Situation sein würde, dass ich nur verletzt daraus hervorgehen könne – wie auch all die Male zuvor, dass ich mich lieber verschließen solle, wahlweise wütend reagieren, vor allem aber cool tun und den Schein wahren!

Play it cool! ( Foto von: it’s me von pexels.com)

Zukunft

Dann hatte ich ein Gespräch mit der Person, die mich (scheinbar) überhaupt erst in diese Situation befördert hatte und plötzlich griffen mich nicht mehr nur die Geister meiner Vergangenheit an und wussten alles am allerbesten, sondern meine Zukunft schaltete sich auch noch ein. Hinter mir also die Vergangenheit, vor mir die Zukunft. Auch die Zukunft hatte ihren Senf beizutragen. Sie versprach mir, dass sie so, wie sie jetzt von meinem Gegenüber dargestellt wurde, eine Zukunft des Grauens wäre. Voller Zurückweisung, Verletzung, immer werde ich es sein, die zu kurz kommt, die nicht für ihre Bedürfnisse einsteht, die keinen eigenen Willen hat und, und, und. Endlos viel ist da in meinem Kopf entstanden..ich hatte eigentlich schon klar, dass ich ein Häufchen Elend sein würde und mir selbst mein eigenes Grab schaufelte. Hart ausgedrückt. Aber Ängste können bekanntlich ganz überzeugend sein.

Eine Zukunft des Grauens? (Foto von: Jack von pexels.com)

Gegenwart

Gut. So stand ich da. Verängstigt, fühlte mich furchtbar und war jetzt tatsächlich an dem Punkt, wo ich nur noch den Ausweg sah, diese Situation SOFORT zu beenden, um endlich wieder ich sein zu können (wer ist eigentlich dieses ich?). Ich war schon im Begriff, die nötigen Schritte zu tun, um die andere Person von mir wegzustoßen und meinen Ängsten nachzugeben, um vermeintlich mein Wohlergehen zu schützen und für mich einzustehen..als sich plötzlich die Gegenwart einschaltete. Und mit ihr das, worum es hier eigentlich geht: Das JETZT! Es war wie die Erkenntnis-Lampe, die plötzlich anging. Ohne zu wissen, warum, war es auf einmal da, das Wissen: Solange ich in der Gegenwart verweile, mit meinen Gedanken, mit meinem Vertrauen, mit meiner Hingabe, so lange kann mir keine Vergangenheit und keine Zukunft der Welt etwas antun. Denn in der Gegenwart bin ich frei. Frei von meinem alten Schmerzkörper und frei von meinem Ego, frei von den Voraussagen der Zukunft.

Befreiung von den Fesseln des Verstandes. (Foto von: Kourosh von pexels.com)

Ich habe schon etwas früher für mich erfahren, dass Negativität und innerer Widerstand ein eindeutiges Zeichen dafür sind, dass ich mich momentan nicht im Hier befinde. Denn das Jetzt wartet nicht mit Schreckensgespenstern und Horrorvisionen auf – es ist einfach nur. Im Jetzt kann mir nichts geschehen, denn es ist ja schon längst da. Im Jetzt ist, was gerade ist. Nicht mehr und nicht weniger. All meine Erfahrungen aus der Vergangenheit, sind plötzlich vergangen und können mir nichts mehr anhaben. Und all das, was scheinbar in der Zukunft passiert, liegt auch nur in der Zukunft. Ja, möglicherweise passiert es genau so schrecklich, wie ich es mir ausgemalt habe, aber sollte das so sein, kann ich mich ja immer noch damit auseinandersetzen, wenn es dann mein neues JETZT ist. Möglicherweise kommt aber alles auch ganz anders und ich habe mir alle schlimmen Gedanken umsonst gemacht. Wenn ich also an die Situation denke, die ich bisher als unendlich beängstigend empfunden hatte, ist da plötzlich keine Beurteilung dieser mehr.

Ohne Worte. (Quelle: zeit.de/zeit-magazin/2016-09/janosch-fragen-kinderbuchillustrationen-fs)

Selbst aktiv werden

Stattdessen wird aus meiner Passivität, die immer geduckt auf alles Schlimme wartet und sich von äußeren Umständen und innerer Gegenwehr bestimmen lässt, eine Aktivität. Denn im Jetzt bin ich. Und ich gestalte meine Gegenwart selbst. Aktiv kann ich etwas an der Situation, in der ich mich befinde, verändern. Ich kann sie so gestalten, dass sie sich für mich besser anfühlt. Ich kann mich auch aus ihr befreien. Aber nicht mehr länger, weil meine beiden stetigen Begleiter mir mit ihren Grauensszenarien aufwarten, sondern weil ich mich bewusst dazu entschließe, etwas zu verändern. In meinem Fall wäre das der Person gegenüber zu sagen, dass ich mich nicht gut fühle, so wie es JETZT gerade zwischen uns ist. Und dann kann man gemeinsam entscheiden, wo Kompromisse liegen können oder ob es besser ist, getrennte Wege zu gehen.

Ach, geliebter, falscher Stolz

Auch mein Ego quatscht nicht länger mit. Bisher hat es sich ständig eingemischt und mir gesagt, dass ich mich schlecht behandeln ließe, dass mein Gegenüber mich nicht respektieren würde, dass ich wohl keinen Stolz besäße, dass, dass, dass. Aber wenn ich die Vergangenheit hinter mir lasse, dann verliert das Ego seine Macht. Dann kann ich im Hier und Jetzt schauen, ob ich wirklich schlecht behandelt werde, oder ob ich das nur denke, weil a) mein Ego mir das erzählt und b) mir das in der Vergangheit bereits wiederfahren ist. Und auch hier kann ich meine Entscheidung bewusst treffen. Ohne sie von den Begleitern formen zu lassen. Das Ego, der Stolz, die Annahme haben in diesem Moment nichts mehr mitzureden, denn wenn ich im Innersten zu mir stehe und mich im Jetzt annehme, in der Vollständigkeit, in der ICH bin, dann kann mir eines klar werden:

Nichts, was in der Vergangenheit geschah und nichts, was in der Zukunft geschieht, kann das berühren, was ich im Tiefsten in mir trage und was ich bin, wenn ich das nicht möchte. Ich forme das, was in mir geschieht. Diese Macht hat kein anderer Mensch, kein Job, kein Stress, keine Krankheit – selbst der Tod nicht über mich.

Wellen im Meer des Bewusstseins. (Foto von: Kellie von pexels.com)

Oder um es in Jeff Fosters Worten auszudrücken:

„Gedanken sind nicht immer die Wahrheit. Sie sind wie Wellen im Meer des Bewusstseins. Sie kommen und gehen. Flüchtig, sich stetig verändernd, gelangen sie in dich, aber sie definieren dich nicht. Du erlaubst ihnen zu sein, aber du bist nicht ihr Sklave.“

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