Reisen

Faszination Indien

Ich bin schon als Kind viel gereist, denn Indien war das Land, in das sich meine Mutter verliebt hat als ich gerade mal 4 Jahre alt war. Vor allem in die Spiritualität, die dort inmitten des Lärms, der unfassbaren Vielzahl an Menschen, dem Gewusel auf den Straßen, der Farbenpracht ganz still vor sich hin existiert. Aufmerksam wird nur, wer auch sucht. Und in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts suchten viele Menschen aus Europa, Amerika, Deutschland. Meine Mutter eine davon – und ich somit irgendwie auch. Ich bin also mit vier Jahren das erste Mal nach Indien gereist…und dann mit sechs gleich wieder. Von den frühen Besuchen erinnere ich mich nicht mehr an viel, außer, dass es mir irgendwie normal erschien. Ein neues Land, anders aussehende Menschen, eine andere Sprache, ein Ashram, Bhajan-Gesänge, Meditation, einfache Unterkünfte. Ich bin so aufgewachsen, es gehört irgendwie zu meiner Familie und meinem Gefühl von Heimat dazu. Viele Male noch reisten wir dorthin. Als Familie erst, später auch allein.

Mit dem Alter veränderte sich die Wahrnehmung dessen, was Indien zu bieten hat. Aber eines bleibt immer gleich: Nur wer wirklich Lust auf Indien hat, kann dieses Land auch lieben lernen. Denn auf den ersten Blick ist es überfordernd, viel zu hektisch, viel zu viele Menschen, und es ist laut…so, so laut. Wer aber neugierig und offen bleibt, wird immer belohnt. Mit einer ganz erstaunlichen Gastfreundlichkeit, mit Tiefsinnigkeit, mit Spiritualität, mit einer unglaublichen Farbenpracht, mit Fröhlichkeit und Vergnügen.

Von Mumbai nach Bangalore

Die letzte Reise führte mich mit zwei Freundinnen von Mumbai nach Pune, nach Hampi, von dort nach Goa, Munnar und schließlich nach Bangalore. Mit vielen kleinen Zwischenstopps. Ich kann diese Route nur empfehlen. Vor allem zur Off-Season (Mai-Oktober, da dann Monsun-Zeit ist), denn dann ist es überall und ganz besonders in Goa etwas ruhiger. Insgesamt waren wir vier Wochen unterwegs und hatten so die nötige Zeit, auch wirklich entspannt zu reisen – denn was auf der Karte klein aussieht, ist in Wirklichkeit riesig groß.

Und dann ganz wichtig: Reisen wie es auch die Einheimischen tun – also Nachtzüge (hier gibt es verschiedene Klassen, unter anderem auch ein Frauenabteil, sehr billig –> 500km zwischen 2€ und 10€), Nachtbusse (etwas komfortableres Reisemittel), lokale Busse (sehr ruckelig, halten oft nicht zum ein- und aussteigen, sondern man muss rein- und rausspringen :D), Rikschas (immer handeln!!!!). Als Orientierungshilfe bezüglich Fahrplan, Preisen, Reservierungen etc. war uns diese Webseite ganz hilfreich: https://www.seat61.com/India.htm. Irgendwie ist es eine unvergessliche Erfahrung, 12, 15, 24 Stunden in einem lauten, völlig dreckigen Zug zu sitzen, der immer wieder mitten auf der Strecke hält, um Menschen mit Essensangebot und Bettler_innen einsteigen zu lassen. Der die Türen während der Fahrt offen hat, dessen Toiletten unfassbar stinken, in dem man kaum schläft, weil es so laut und ruckelig und furchtbar hart ist. In dem man aber auch lernt, was Zeit zu haben bedeutet, in dem man Freundschaften schließt, in dem man die deutschen Verhältnisse auch wieder schätzen lernt. Ein Bus beispielsweise, der bei Nacht und Nebel in einem Affenzahn die Serpentinen durchrast, ohne je den Fuß vom Gas zu nehmen, der auf Straßen, die eindeutig nur für ein Fahrzeug gebaut sind, schonungslos überholt, der bei Hindernissen laut hupt und weiterrast – komme was wolle, anstatt zu bremsen und Platz machen…wer braucht schon Bungeejumping, wenn der Adrenalinstoß so viel einfacherer und billiger zu kriegen ist? Es klingt wohl wahrlich nicht nach Luxus und Urlaub. Ist für die abenteuerlustigen unter uns aber eine Erfahrung, die unvergleichbar ist.

Der pure Luxus…

Highlights

Ganz besonders gut gefallen hat uns Hampi, das inmitten von erstaunlicher Natur liegt und umgeben von Ruinen ist. In der durch Vulkanismus gestalteten Landschaft findet sich ein kleines, eigentlich eher schlichtes Dorf, in dem es von Unterkünften nur so wimmelt. Und mindestens genauso viele Ruinenführer tummeln sich in Hampi, um die Geschichte hinter den Monumenten und Tempeln zu erzählen. Definitiv einen Abstecher wert!

Verfallene Ruinen und Gesteinsbrocken erzählen alte Geschichten

Auch Goa lohnt sich…was soll ich da noch groß sagen 🙂 Die sagenumwobenen Goa-Partys finden statt – auch in der Off-Season – und wer hat schon was gegen Tanzen am Strand einzuwenden? Dann wäre da noch Munnar zu erwähnen. Das mini kleine Dorf ist relativ hoch gelegen und besticht deshalb im Gegensatz zu dem Rest Indiens mit einigermaßen kühler Temperatur – man sollte also lange Klamotten dabeihaben, wenn man hier einen Besuch plant. Das Dörfchen an sich ist relativ trist – umso atemberaubender sind die Teeplantagen, von denen es umgeben ist. Schon während der langen Busfahrt nach Munnar wird man mit einer faszinierenden Landschaft belohnt und erst einmal angekommen, lohnt es sich, eine der zahlreichen (billigen) Tee-Führungen mitzumachen!


Moonar in seiner Pracht und Weite..

Und last but not least: Wir waren als Vegetarierinnen und Veganerinnen unterwegs – Vegetarier_innen finden völlig problemlos immer etwas zu Essen, da die meisten indischen Gerichte von Haus aus vegetarisch sind und Veganer_innen brauchen zwar sehr viel Geduld und Erklärungskunst, aber letzten Endes bekamen wir in jedem noch so kleinen Restaurant auch immer ein veganes Gericht!

Indien also ist ein faszinierendes Fleckchen unserer Welt, das ich oft bereist und trotzdem noch nicht mal ansatzweise verstanden und allumfassend gesehen habe. Aber die Orte, die Menschen, die ich kennengelernt und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, haben sich definitiv gelohnt. Also packt eure Siebensachen ein und wagt den Schritt ins Abenteur..ich verspreche euch: Ihr werdet für euren Mut belohnt!

Bildquelle: http://pexels.com


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