Achtsamkeit

Der Sinn des Sinnsuchens?

Jeden Tag ein bisschen Inspiration. 


Seit kurzem versuche ich jeden Morgen während des Frühstücks etwas Sinnvolles zu lesen, das mich entweder inspiriert, erfreut oder weiterbildet. Ich habe gemerkt, dass dieses Vorhaben meinen Tag sowohl strukturiert als auch bereichert. Meist starte ich dann in meine täglichen Aufgaben mit dem Wissen, bereits etwas für mich und mein Wohlergehen getan zu haben und das lässt die manchmal so ätzenden Aufgaben des Alltags erträglicher werden. Heute ist mir dabei ein Artikel über den Neurologen und Psychiater Viktor Frankl begegnet. Dieser war meiner Meinung nach ein ganz erstaunlicher Mensch. Als Überlebender vier verschiedener Konzentrationslager während des Dritten Reichs veröffentlichte er 1946 bereits ein Buch unter dem Titel „…trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe überlebt das Konzentrationslager“.

Entscheidungsfreiheit

Das Buch ist keine reine Niederschrift seiner Erlebnisse, sondern eine Widmung an den Sinn des Lebens, der Menschen selbst in den schrecklichsten und einsamsten Momenten Hoffnung verleiht. Er schildert seine Beobachtungen der verschiedenen Reaktionen seiner Mithäftlinge, denn während es diejenigen gibt, die in ihrer Not anfangen, andere zu bestehlen oder ihre moralischen Ansprüche zu verleugnen, gibt es auch die, die liebevoll bleiben und auch ihr letztes Brot noch teilen. Was er hier erforscht hat, schien die Entscheidungsfreiheit des Menschen zu sein, die auch in den unwürdigsten und ärmsten Augenblicken bleibt. Die Entscheidungsfreiheit, menschlich zu sein, die Würde zu bewahren und der eigenen Moral treu zu bleiben. Jede_r von uns hat also in allen Lebenslagen immer die Möglichkeit, so oder so zu entscheiden. Und wir alle haben immerzu die Entscheidungsfreiheit, einen Sinn im Leben zu sehen. Er nannte das „die Trotzmacht des Geistes“ – stärker zu sein als die Angst und diesem Gefühl etwas entgegenzusetzen.

Die Trotzmacht meines Geistes.

Ich finde mich in dieser Betrachtung des Lebens wieder. Übersetzt auf unsere heutige Zeit bedeutet das für mich beispielsweise, es mir selbst wert zu sein, Dinge für mich zu tun. Wie mein morgendliches Ritual. Mir selbst dankbar zu sein für das, was ich tue. Und schließlich auch Sinn in diesen Dingen sehen. Denn wenn ich es mir wert bin, für MICH aufzustehen, zu lesen, Yoga zu machen, zu lernen, zur Uni oder zur Arbeit zu gehen, Freunde zu treffen, mich um meine Familie zu kümmern…was auch immer, macht mein Leben einen Sinn. Und wenn mein Leben für mich einen Sinn hat, kann ich diese Sinnhaftigkeit und die damit verbundene Zufriedenheit auch nach außen tragen. An andere Menschen weitergeben. Anderen eine Freude machen. Selbstlos sein. Fröhlich sein. Singen, lachen, tanzen.

Leben im Jetzt.

Es sind kleine und große Ziele, die ich mir setze. Es sind Perspektiven der Zukunft, die ich mir überlege und gleichzeitig tagtägliche Pläne. Kleine Schritte, die zu einem großen Ganzen führen – die das große Ganze sind. Alles ist eine Frage der Perspektive. Das habe ich in den letzten Jahren gelernt. Ich kann das Leben immer so oder so betrachten, es liegt jeden Tag in meiner Hand, für welche Variante ich mich entscheide. Ich habe jeden Tag die Möglichkeit, zufrieden zu sein…ich muss es nur auch wollen. Ich kann also entweder unglücklich darüber sein, dass Problem XYZ mich stört und ich gerne so oder so wäre, oder ich freue mich über das, was ich habe. Einen wunderbar funktionierenden Körper zum Beispiel. Ein Bett, ein Zuhause, ich lebe in einem reichen Land, bin inspiriert von tollen Freunden, habe eine liebende Familie, hatte heute genug Essen, habe all meine Pflichten erfüllt. Ich bin zufrieden mit dem heutigen Tag. Es ist meine Entscheidung. Das mag vielleicht erstmal etwas einseitig klingen. Aber ist es nicht letztlich so, dass wir es immer in der Hand haben, etwas zu verändern? Dass wir unseres Glückes Schmied sind? Dass wir unsere Entscheidungen immer wieder neu treffen können? Und wenn wir dort bleiben, wo wir uns gerade befinden, ist es ebenfalls unsere Entscheidung. Diese anzunehmen und den Sinn in der Situation, wie sie jetzt gerade ist, zu finden und anzunehmen – das sehe ich als mein Ziel. Ich möchte einerseits lernen, mehr im JETZT zu leben und das zu genießen, was gerade ist und andererseits immer wissen, dass es in meiner Hand liegt, Dinge zu verändern.

„Man muss Risiken eingehen, sagte er. Wir können das Wunder des Lebens nur richtig verstehen, wenn wir zulassen, dass das Unerwartete geschieht. Jeden Tag läßt (sic!) Gott die Sonne aufgehen und schenkt uns jeden Tag einen Augenblick, in dem es möglich ist, alles das zu ändern, was uns unglücklich macht. Tag für Tag übergehen wir diesen Augenblick geflissentlich, als wäre das Heute wie gestern und das Morgen auch nicht anders. Aber derjenige, der seinen Tag bewusst lebt, nimmt den magischen Augenblick wahr.“ Zitat aus: Paolo Coelho – Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte.

Ein Gedanke zu „Der Sinn des Sinnsuchens?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.